Die dreizehn Kristallschädel
Die Erzählung von dreizehn Kristallschädeln, die vereint werden müssten, gehört zum festen Bestand der Esoterikliteratur. Sie hat eine nachvollziehbare Entstehungsgeschichte, und die ist interessanter als die Legende.
Was untersucht wurde
Die bekannten Schädel befinden sich in großen Museen — British Museum, Smithsonian, Musée du quai Branly — und sind mehrfach untersucht worden, zuletzt mit Rasterelektronenmikroskopie.
Der Befund ist übereinstimmend: die Oberflächen zeigen Spuren rotierender Werkzeuge, wie sie erst mit europäischen Schleifrädern verwendet wurden. Präkolumbische Bearbeitung erfolgte mit anderen Techniken und hinterlässt andere Spuren. Bei mehreren Stücken ließ sich der Quarz zudem auf Lagerstätten zurückführen, die in Mesoamerika nicht vorkommen.
Die untersuchten Schädel stammen nach diesen Befunden aus dem 19. Jahrhundert, aus dem Umfeld des damaligen Handels mit Altertümern — einer Zeit, in der die Nachfrage nach präkolumbischen Objekten das Angebot bei weitem überstieg.
Woher die Dreizehn kommen
Nicht aus Maya-Quellen. Die Zahl dreizehn ist im Maya-Kalender tatsächlich bedeutsam — der Tzolk'in verbindet dreizehn Zahlen mit zwanzig Zeichen —, aber kein erhaltener Text spricht von dreizehn Schädeln.
Die Erzählung in ihrer heutigen Form entstand im 20. Jahrhundert, im esoterischen Schrifttum Nordamerikas und Europas, und verband einen echten Kalenderbezug mit Objekten, deren Herkunft damals noch nicht geklärt war.
Warum das gesagt werden muss
Nicht um die Geschichte zu verderben. Sondern weil sie den Maya zugeschrieben wird, und weil das, was die Maya tatsächlich hinterlassen haben, deutlich bemerkenswerter ist: ein Kalendersystem von großer Genauigkeit, eine entzifferte Schrift, astronomische Tafeln für Venus und für Finsternisse, die über Jahrhunderte stimmen.
Der Dresdner Codex enthält eine Venustafel, die den synodischen Umlauf auf wenige Stunden genau führt. Das ist eine echte Leistung, an einem echten Gegenstand — und sie geht unter, wenn man sie neben erfundene Schädel stellt.
Verwandt: Okkultismus — Begriff, Geschichte, Abgrenzung — und die erfundenen Überlieferungen.