Horoskopanalysen

Lilith

Lilith gehört zu den Begriffen, bei denen sich Überlieferung und astrologische Praxis so vermischt haben, dass eine Trennung sich lohnt. Die Gestalt hat eine Geschichte, und in der Astrologie bezeichnet der Name drei verschiedene Dinge.

Woher die Gestalt stammt

Im hebräischen Text der Bibel kommt lilit ein einziges Mal vor, bei Jesaja 34,14, in einer Aufzählung von Tieren und Wesen, die eine verwüstete Landschaft bewohnen. Luther übersetzt „Kobold“, andere Übersetzungen „Nachtgespenst“ oder lassen den Namen stehen. Mehr steht dort nicht.

Die Erzählung von Lilith als erster Frau Adams, die sich der Unterordnung verweigert und den Garten verlässt, stammt aus dem Alphabet des Ben Sira, einem Text des frühen Mittelalters, dessen Charakter — satirisch oder erbaulich — bis heute umstritten ist. Ältere Wurzeln führen zu den mesopotamischen lilītu, Wind- und Nachtdämonen.

Es gibt also weder ein biblisches Tabu noch eine unterdrückte Überlieferung. Es gibt eine Gestalt mit einer nachvollziehbaren, gut dokumentierten Entwicklung über etwa zweieinhalb Jahrtausende.

Drei Punkte, ein Name

In der Astrologie heißen drei verschiedene Dinge Lilith, und sie stehen an verschiedenen Stellen des Horoskops:

Wer über „Lilith im Skorpion“ liest, sollte also zuerst fragen, welche der drei gemeint ist. Dieselbe Geburt hat drei verschiedene Lilith-Stellungen.

Was das für die Deutung heißt

In der klassischen Astrologie kommt keiner der drei Punkte vor. Das ist kein Werturteil, sondern eine Datierung: Die Deutung der schwarzen Mondlilith ist eine Entwicklung des zwanzigsten Jahrhunderts.

Wer mit ihr arbeitet, sollte zwei Dinge festlegen, bevor er ins Horoskop schaut: welcher der drei Punkte gilt, und welche Bedeutung ihm zugeschrieben wird. Sonst entsteht das bekannte Muster — der Punkt wird erst herangezogen, wenn das übrige Horoskop nicht das hergibt, was man erwartet hat.

Verwandt: die Planeten, der Glückspunkt — ein anderer berechneter Punkt, mit deutlich älterer Überlieferung.