Kostenlose Horoskope
Kostenlose Horoskope gibt es überall im Netz – und sie sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Dahinter steckt fast immer dasselbe Prinzip: Ein Programm rechnet Deine Geburtsdaten in Planetenstände um und fügt dazu passende, vorgefertigte Textbausteine aneinander. Das ist weniger, als ein Astrologe im Gespräch leisten kann – aber deutlich mehr als die drei Zeilen in der Tageszeitung.
Drei verschiedene Dinge heißen „Horoskop“
Viele Enttäuschungen entstehen, weil ein Wort für drei Dinge benutzt wird, die wenig miteinander zu tun haben. Wie ein Horoskop aufgebaut ist und welche Arten es gibt, steht ausführlicher auf der Seite über Horoskope.
- Das Sternzeichen-Horoskop braucht nur Dein Geburtsdatum und sagt, in welchem der zwölf Tierkreiszeichen – Deinem Sternzeichen – die Sonne stand. Alle Menschen eines Zeichens bekommen deshalb denselben Text.
- Das Geburtshoroskop, auch Radix genannt, braucht Datum, Uhrzeit und Ort und zeigt den ganzen Himmel dieses Augenblicks: Sonne, Mond, die Planeten, den Aszendenten und die zwölf Häuser. Zwei Menschen, die am selben Tag, aber vier Stunden auseinander geboren wurden, bekommen zwei deutlich verschiedene Horoskopzeichnungen.
- Das Prognosehoroskop vergleicht die heutigen Planetenstände mit Deinem Radix. Daher stammen Tages-, Wochen- und Jahreshoroskope, etwa das kostenlose Wochenhoroskop.
Wie eine kostenlose Berechnung entsteht
Der rechnerische Teil ist reine Astronomie und nachprüfbar. Grundlage sind Ephemeriden: Tabellen, die für jeden Tag angeben, auf welchem Grad des Tierkreises Sonne, Mond und Planeten stehen. Ein Programm liest diese Werte aus, schlägt für Deinen Geburtsort geographische Länge und Breite nach und berechnet daraus die Häuserspitzen. Bis hierhin muss man nichts glauben – zwei sauber rechnende Programme kommen auf dieselben Gradzahlen für Sonne, Mond und Planeten.
Bei den Häuserspitzen kommt eine Entscheidung hinzu: Sie hängen zusätzlich vom gewählten Häusersystem ab. Placidus, Koch und Ganze Zeichen teilen denselben Himmel unterschiedlich auf, deshalb zeigen zwei Programme für dieselbe Geburt manchmal verschiedene Häuser. Welches System ein Anbieter benutzt, steht meist nur im Kleingedruckten.
Erst der zweite Schritt ist Deutung. Was ein Planet in einem Zeichen oder in einem bestimmten Winkel – einem Aspekt – zu einem anderen bedeutet, steht in keiner astronomischen Tabelle, sondern in einer über Jahrhunderte gewachsenen Überlieferung. Eine Gratis-Auswertung greift dazu auf eine Sammlung vorgefertigter Textbausteine zurück: ein fertiger Absatz pro Konstellation, aneinandergereiht.
Warum die Geburtszeit über die Qualität entscheidet
Die häufigste Ursache für ein wertloses Gratis-Horoskop ist eine fehlende Uhrzeit. Der Aszendent wandert an einem einzigen Tag durch alle zwölf Zeichen – im Schnitt ein neues Zeichen etwa alle zwei Stunden. Auch der Mond läuft rund dreizehn Grad pro Tag weiter und kann das Zeichen wechseln. Fehlt die Uhrzeit, setzen viele Programme stillschweigend 12:00 Uhr ein: Aszendent und Häuser sind dann reine Schätzung.
Die Geburtsminute steht in der Geburtsurkunde oder im Geburtenregister der Behörde am Geburtsort – in Deutschland ist das Standesamt zuständig. Auskunft erhalten in der Regel die betroffene Person selbst und enge Angehörige; welche Nachweise nötig sind und wie lange die Auskunft dauert, hängt vom Land ab.
Was ein kostenloses Horoskop nicht leistet
Vier Dinge kann ein automatisch erzeugter Text grundsätzlich nicht leisten:
- Er kennt Deine Lebensgeschichte nicht. Dieselbe Konstellation liest sich mit siebzehn anders als mit drei Kindern und einer Firma.
- Er gewichtet nicht. Jedes Radix enthält Widersprüche; ein Astrologe entscheidet, welche Aussage stärker ist – ein Programm zählt beide nur nebeneinander auf.
- Er sagt keine Ereignisse voraus. Astrologie beschreibt Themen und Zeitqualitäten, keine Termine.
- Er ersetzt keine ärztliche, juristische oder finanzielle Beratung.
Ob ein Gratis-Text überhaupt etwas über Dich sagt, prüfst Du so: Lies die Deutung eines fremden Zeichens. Passt sie genauso gut, ist der Text nur allgemein genug gehalten, um auf fast jeden zuzutreffen.
So holst Du mehr heraus
- Gib Datum, Uhrzeit und Ort so genau ein, wie Du sie belegen kannst, statt zu schätzen.
- Sieh Dir erst die Horoskopzeichnung an, dann den Text: Welches der vier Elemente überwiegt, welches fehlt?
- Notiere zwei, drei Aussagen, in denen Du Dich wiedererkennst, und prüfe sie über Wochen im Alltag.
- Lies die Grundlagen nach: die Seiten zur Astrologie und zur chinesischen Astrologie sowie die Astro-Bücher.
Ein kostenloses Horoskop ist ein guter Einstieg. Ein Urteil über Dich ist es nicht. Es beschreibt Anlagen und Spannungen – was Du daraus machst, steht in keiner Ephemeride.